Einführung in die Katzengenetik
Aktualisiert mit Ergebnissen der molekulargenetischen Forschung (2007–2024).
Klassische Quelle: Roy Robinson – Genetics for Cat Breeders (1991).
Einleitung
Dieser Artikel beantwortet die Frage: „Welche Farbe hat meine Katze, und welche Farben können meine Kätzchen haben?" Er erklärt die Farbnomenklatur und das Zusammenspiel der Gene. Seit Robinsons Standardwerk (1991) hat die Molekulargenetik viele neue Gene identifiziert und früher theoretische Gene bestätigt.
Grundbegriffe
Chromosomen und Gene. Jede Eigenschaft einer Katze wird durch Gene auf Chromosomen bestimmt. Katzen haben 19 Chromosomenpaare (38 insgesamt). Jede Eigenschaft ist zweifach beschrieben – ein Gen von der Mutter, eines vom Vater. Wenn zwei Genvarianten (Allele) unterschiedliche Anweisungen geben, setzt sich das dominante Allel durch. Das rezessive Allel zeigt sich nur, wenn es zweimal vorhanden ist.
Die Gene
A – Agouti
Das A-Gen bestimmt, ob das Tabby-Muster sichtbar ist. A–: Agouti-Grundfarbe mit gelb-braunen Banden auf den Haaren; Tabby-Muster sichtbar. aa: Gelbbanden fehlen; schwarzer Untergrund verbirgt das Tabby-Muster (einfarbig). Agouti ist dominant über Non-Agouti.
B – Schwarz / Schokolade / Zimt
Der B-Locus bestimmt die Intensität des Eumelanins. Drei Allele in Dominanzreihenfolge: B (schwarz) > b (schokolade) > bl (zimt). Das verdünnte Äquivalent von Zimt ist Fawn.
D – Dense / Verdünnung
D–: Pigment gleichmäßig verteilt → volle Farbe. dd: Pigment geklumpt → verdünnte Farbe: Schwarz wird Blau, Schokolade wird Lila, Zimt wird Fawn, Rot wird Creme. Molekulares Gen: MLPH (Melanophilin).
Dm – Verdünnungsmodifikator (neu)
Bei einigen verdünnten Katzen (dd) modifiziert das Dm-Gen die Farbe weiter: Blau wird zu Karamel, Creme wird zu Apricot. Dm ist dominant und wirkt nur auf dd-Katzen. Anerkannt durch TICA.
C – Colorpoint / Albino-Reihe
Der C-Locus (Tyrosinase-Gen, TYR) steuert den Melaningehalt. Dominanzreihenfolge: C > cb (Burma) > cs (Siamkatze) > ca > c (rosa-äugiger Albino). Die Farbeinschränkung ist temperatursensitiv: die kühleren Körperenden (Ohren, Schnauze, Pfoten, Schwanz) werden dunkler.
I – Inhibitor / Silver
Das I-Gen hemmt die Phäomelanin-Produktion an der Haarwurzel. I–: weiße oder silbrige Haarwurzel mit gefärbter Spitze. Ergebnisse reichen von Smoke (geringe Hemmung) bis Chinchilla (maximale Hemmung). I ist dominant über i.
Golden / Wide Band (Wb)
Die Golden-Farbe (warmer goldener Untergrund statt silbern) wurde klassisch einem theoretischen Wide-Band-Gen (Wb) zugeschrieben. Neuere Forschungen (2021–2024) deuten auf Varianten nahe dem ASIP-Gen oder Modifikatorgene hin. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt.
O – Orange (Rot)
Geschlechtsgebunden (X-Chromosom). O: wandelt Eumelanin in Phäomelanin um → oranges/rotes Fell. Weibchen: OO = rot, Oo = Schildpatt (Tortie), oo = nicht-rot. Männchen: O = rot, o = nicht-rot. Tortie (Oo) Weibchen haben zufällige orange und nicht-orange Flecken durch X-Inaktivierung (Lyonisation). O mit dd ergibt Creme; Tortie mit dd ergibt Blaucreme.
E – Extension / Amber (nach 1991 entdeckt)
Eine rezessive Mutation ea im MC1R-Gen wurde bei der Norwegischen Waldkatze (und dem LaPerm) entdeckt. Sie wandelt alles Eumelanin in Phäomelanin um → Amber-Farbe, die sich von der Orangen (O-Gen) unterscheidet. Kätzchen werden dunkel geboren und hellen mit der Zeit auf. Die verdünnte Version ist Light Amber.
S – Scheckung / Weiße Flecken
Das S-Gen (verknüpft mit KIT) erzeugt weiße Flecken und ist dominant. Muster: Mitted (weiße Pfoten), Bicolor, Harlekin, Van (fast vollständig weiß).
W – Dominant Weiß
Ein Allel des KIT-Gens. Ww: vollständig weißes Fell; Grundfarbe verborgen aber vererbbar. WW ist in der Regel embryonal letal. Blaue Augen bei weißen Katzen korrelieren mit einer höheren Taubheitsprävalenz.
T – Tabby-Muster (Taqpep-Gen, 2012)
Das Tabby-Muster wird durch das Taqpep-Gen bestimmt (Kaelin et al., 2012, Science). Drei Allele: Ta (Ticked/Abessinier, dominant) > T (Mackerel) > tb (Blotched/klassisch, rezessiv). Spotted Tabby ist eine Modifikation des Mackerel, kein eigenes Allel.
L – Langhaar / Kurzhaar (FGF5-Gen, 2007)
Kurzhaar (L) ist dominant über Langhaar (l). Gen: FGF5. Mehrere verschiedene rezessive l-Allele wurden identifiziert, die jeweils leicht unterschiedliche Haarlängen verursachen.
Zusammenfassende Tabelle
| Gen | Molekulares Gen | Wirkung | Neu nach 1991? |
|---|---|---|---|
| A | ASIP | Agouti / einfarbig | Bestätigt |
| B | TYRP1 | Schwarz / Schokolade / Zimt | Bestätigt |
| D | MLPH | Volle / verdünnte Farbe | Bestätigt |
| Dm | Unbekannt | Karamel / Apricot (bei dd) | Ja – von TICA anerkannt |
| C | TYR | Colorpoint | Bestätigt |
| I | Unbekannt | Silver / Smoke / Chinchilla | – |
| O | X-Chromosom | Rot / Schildpatt | Bestätigt |
| E / Amber | MC1R | Amber (NWK, LaPerm) | Ja – 2007–2009 |
| S | KIT | Weiße Flecken | Bestätigt |
| W | KIT | Dominant Weiß | Bestätigt |
| T | Taqpep | Mackerel / Blotched / Ticked | Ja – 2012 |
| L | FGF5 | Kurzhaar / Langhaar | Ja – mehrere Allele (2007) |
Quellen: Roy Robinson – Genetics for Cat Breeders (1991) • Kaelin WG et al. – Science 337 (2012) • Peterschmitt M et al. – Anim Genet 40 (2009) • Drögemüller C et al. – Science 316 (2007) • UC Davis Veterinary Genetics Laboratory • TICA Genetics Committee.